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Veröffentlichungen in Printmedien

Das Dialektprojekt wurde bereits des Öfteren in der Fuldaer Zeitung zur Sprache gebracht. Die entsprechenden Artikel finden Sie auf dieser Seite.

 

400 Mundart-Aufnahmen der Wissenschaft übergeben

FULDA, 19,08.08 
Professor Joachim Herrgen, stellvertretende Direktor des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas, hat am Dienstag in Fulda eine Sammlung von Mundart-Tonaufnahmen entgegengenommen.

img Professor Joachim Herrgen vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas Marburg (Mitte) und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Christoph Purschke (Zweiter von links) nehmen die Mundart-Aufnahmen des Projektes von OB Möller (links), Sprachwissenschaftler Dr. Stefan Arend (Zweiter von rechts) und Rudolf Karpe (rechts) entgegen. Foto: Sabine Abel

 Der alteingesessene Rhöner kommt von einer Auslandsreise oder einem Ausflug in deutsche Gefilde zurück. Zum ersten Mal seit Tagen, Wochen oder Monaten hört er die lang gezogenen Vokale und grammatikalischen Konstruktionen, die jeden Deutschlehrer den Rohrstock herbeisehnen lassen. Er selbst empfindet es jedoch als eine Wohltat für Ohren und Herz, zeugt doch der Dialekt davon, dass er wieder zuhause ist.
„Dialekt markiert Identität“, sagt Professor Joachim Herrgen. Der stellvertretende Direktor des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas ist am Dienstag nach Fulda gekommen, um im Magistratssitzungssaal eine Sammlung von Mundart-Tonaufnahmen entgegenzunehmen.
Diese Sammlung von 400 Mundart-Beiträgen der Bürger des gesamten Landkreises entstand durch das Projekt „Tom“ (Tonarchiv osthessischer Mundarten), das 2003 ins Leben wurde. „Es war ein launiger Abend“, erinnerte der Sprachwissenschaftler und ehemalige Mediana-Geschäftsführer Dr. Stefan Arend an die Geburtsstunde der Idee zu dem Projekt.
Gemeinsam mit Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU), der damals noch Erster Kreisbeigeordneter war, saß er nach einem Mundart-Theaterabend in Mackenzell bei Hünfeld. Der bekennende Rhöner Möller, als den er sich selbst bezeichnet, und der Niederhesse Arend unterhielten sich über Platt. Aus der pessimistischen Prognose Arends, dass der Dialekt aussterbe, entstand laut Möller die Idee, „die Ist-Zeit festzuhalten“. Die Männer fanden in Rudolf Karpe, Leiter des Medienzentrums Fulda, einen Partner, der die technische Umsetzung der Idee unterstützte. Weitere Hilfe kam von der Sparkassenstiftung und der Fuldaer Zeitung. Das Projekt „Tom“ konnte anlaufen. Arends Frage, wie es um den alltägliche Gebrauch des Dialektes in Osthessen stehe, konnte nachgegangen werden.

„Tom“ spricht Dialekt

Mit dem Wettbewerb „Mir schwatze Platt“ riefen die Initiatoren die Menschen des Landkreises Fulda auf, Tonaufnahmen einzusenden, auf denen sie Platt sprechen. Zum einen sollten es, wie Stefan Arend erzählt, für den populären Teil Lieder, Gedichte oder Geschichten sein. Der wissenschaftliche Aspekt des Projektes wurde abgedeckt mit der Übersetzung der 40 so genannten Wenkersätze ins Platt. Diese Sätze, die die Mundartsprecher „einrhönen sollten, gehen zurück auf den Bibliothekar Georg Wenker, der 1876 damit begann, mit den Übersetzungen seiner Sätze Ortsdialekte zu sammeln.
„Im Weender flian die dürre Bleeder durch die Luft eröm – Im Winter fliegen die dürren Blätter durch die Luft herum.“ Das ist einer der Wenker-Sätze in allerschönstem Rhönisch, das nach der gestrigen Übergabe der digitalisierten Aufnahmen auf CD an Professor Herrgen und den wissenschaftlichen Mitarbeiter Christoph Purschke die Sammlung von Orts- und Regionaldialekten des Deutschen Sprachatlas bereichern wird.
„Es ist eine sehr seltene Sache, dass ein ganzer Landkreis sammelt“, sagte Herrgen. Die Aufnahmen aus der Rhön werden nun in den digitalen Wenkeratlas im Internet aufgenommen, der auch für sprachwissenschaftliche Laien zugänglich ist. Herrgen konnte zudem noch Arends Befürchtung vom Dialektsterben entschärfen: „Die Prognose gibt es schon seit 1754 alle 50 Jahre – Totgesagte haben ein langes Leben.“

Von Eveline Burkhart


 

Das Finale der "ToManer" 

 Künzell (zi), 23.04.04
Abschluss, aber kein Ende: Das Projekt „Tonarchiv osthessischer Mundarten“ (ToM) fand zwar gestern Abend mit einer stimmungsvollen Veranstaltung in Künzells Gemeindezentrum einen würdigen Schlusspunkt, doch auch über die elf Monate hinaus, die das Vorhaben aktiv betrieben wurde, wird es weiterhin Bestand haben.



„Es bleibt eine Daueraufgabe, die gesprochene Mundart zu erfassen und zu dokumentieren“, ließ Schirmherr Landrat Fritz Kramer in seiner Ansprache keinen Zweifel daran, dass das Fördern des Dialektes im Landkreis auch über das offizielle Ende der Aktion hohe Wertschätzung genießt.
Kramer würdigte nochmals den Sprachwissenschaftler Dr. Stefan Arend, auf dessen Idee das Projekt ToM zurückgeht, aber auch den damaligen Ersten Kreisbeigeordneten und heutigen Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller, der das Vorhaben für den Kreis umsetzte. Der Landrat würdigte auch die Förderung des Mundart-Projektes durch die Sparkassen-Kulturstiftung sowie die Unterstützung durch die Fuldaer Zeitung. An Stelle des erkrankten Oberbürgermeisters erläuterte der Leiter der Stadt- und Kreisbildstelle, Rudolf Karpe, Einzelheiten des Projektes. Bei Karpe und seinem Team waren die insgesamt rund 450 Beiträge zusammengelaufen und dann für ToM, aber auch für die Präsentation im Internet (www.medienzentrum-fulda.de) aufbereitet worden.

Auch wenn die Sprachwissenschaftler sich besonders über die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Landkreis und angrenzenden Gebieten gesprochenen Mustersätze freuen werden: Für die Auswertung in Fulda sind die als „Dreingabe“ aufgenommen Gedichte, Lieder und Anekdoten ein besonderer Schatz.
Alle ToM-Aktiven waren mit Eintrittskarten für den Abschlussabend in Künzell belohnt worden, der nicht zuletzt aus ihren Reihen bestritten wurde. Auch wenn der umjubelte Auftritt von „quatsch m.i.t. sosse“ zweifelsohne der Höhepunkt des Abends war – die Beiträge der „ToManer“ (und der ToManerinnen) unterhielten die rund 500 Zuschauer bestens. Das Lied „Rhöö-Gefööle“, gedichtet und gesetzt vom im Frankfurter „Exil“ lebenden Lehrer Walter Herchenhan aus Tann, eröffnete den Abend. Dem Frankfurter Chor VokalSpektral zuzuhören, war musikalisch und „dialektisch“ ein Vergnügen. Moderator Klaus-Dieter Eckstein präsentierte dem Publikum eine große Zahl origineller Beiträge, die nicht nur die verschiedenen Gattungen widerspiegelten, sondern auch die unterschiedlichen Gegenden des Landkreises mit ihren spezifischen Dialektfärbungen hörbar machten. Da brachten unter anderem die „Feschen Knaben“ aus Eichenzell originelle Lieder zu Gehör, Brauchtum und ländliches Leben wurden in diversen Berichten zum Leben erweckt. Reinhard Haas aus Dipperz bewies, dass auch so moderne Sachen wie der „Verzehr“ einer Scheckkarte durch den Bankautomaten durchaus im Platt zu berichten sind, und wer immer schon wissen wollte, was „ebbes“ ist, war bei Manfred Schreiner aus „Gehannsberch“ gut aufgehoben. Besonders herzlichen Applaus bekamen die Schüler Andreas Kircher aus „Grossemich“ und Karl-Josef Höfer aus „Eiterfäald“, die mit dem Sketch „Eierkauf“ begeisterten.
Gute Nachricht für alle, die Zuhause hören wollen, was bei Tom an Originellem zusammengekommen ist: Eine gut einstündige Auswahl von Liedern und Texten wurde unter Mitwirkung von FFH-Moderator Dirk Hardegen auf CD gebrannt. Nach Ostern kann man die Aufnahme zum Preis von fünf Euro in der Stadt- und Kreisbildstelle am Gallasiniring kaufen.
 

 

Aus dem Nachlass eines Lehrers

Fulda (zi)
Gedichte in Mundart, zur Unterhaltung vorgetragen – das gibt es alljährlich spätestens in der „fünften Jahreszeit“. Doch dergleichen ist beileibe keine Erfindung der letzten Jahre. Das belegt das nebenstehende Werk, das der in Petersberg lebende pensionierten Deutsch- und Geschichtslehrer Günther Ickenstein als einen besonderen Beitrag zum Mundartprojekt ToM der FZ-Redaktion zur Verfügung stellte.
Der Text fand sich im Nachlass von Ickensteins Schwiegervater, des Lehrers Alois Schreiner, der zuletzt in Mittelkalbach tätig war.
Das vielzeilige Werk existiert in einer handschriftlichen Version in deutscher Schrift und wurde – wohl von Schreiner - mit etlichen erklärenden Randbemerkungen versehen.
Ob das Opus aus Schreiners Mittelkalbacher Zeit stammt, ist nicht sicher. Möglicherweise erhielt er es bereits in Niederklein, einem der katholischen Orte im Umfeld von Amöneburg. Dort war Schreiner zuvor Lehrer gewesen, und hatte die Tochter des Lehrers Noll geheiratet. Dessen Frau wiederum stammte aus dem Fuldaer Land, nämlich aus Finkenhain, das heute zu Dipperz gehört. So kann das Gedicht auch auf diesem Wege in Schreiners Besitz gekommen sein.
Wer die Verse geschaffen hat, ist nicht bekannt. Doch ein wohl von Schreiner stammender „Anhang“ des Textes verrät zumindest etwas über dessen Herkunft: „Dieses Gedicht ist von einer Schwester aus dem Mutterhaus 1905 gedichtet auf den erschreckenden Dombrand bei dem Bonifatiusjubiläum 1905.“ Weiter geht es mit ein paar „Regieanweisungen“: „Sie legt es einer Rhönbäuerin in den Mund. Die Vortragende muss sich etwas behäbig, am besten in Rhöntracht – dicker Rock, bunte Schürze, buntes Halstuch, Kopftuch, der große Bauernschirm und das altmodische Henkelkörbchen stehen sehr gut – kleiden. Die Vortragende muss sehr lebhaft, aber doch behäbig vortragen. Ich habe sie immer mit aufgespanntem Schirm hereinkommen lassen. Nachdem sich die Bäuerin überall umgeguckt hat, macht sie den Schirm zu, knickst linkisch und beginnt.
Hier bei uns hat es immer gut gefallen. Man muss nachher noch etwas von dem Dombrand erklären“, schließt Schreiner. Das sei hier getan: Die dramatische Nacht war keine Erfindung. Erwin Sturm, der historischen Wahrheit verpflichteter Kenner der fuldischen Baugeschichte, schreibt in seinem Buch „Bau- und Kunstdenkmale der Stadt Fulda“ nüchtern und knapp: ? wird das Denkmal für Kaiser Friedrich II. auf dem heutigen Universitätsplatz enthüllt. Vom 4. bis zum 11. 6. wird das 1150 Jubiläum des Todes des hl. Bonifatius gefeiert. in der Nacht zum 5. Juni brennt nach einem Feuerwerk der rechte Domturm aus, wobei die Osanna- und die Bonifatiusglocke vernichtet werden.“
Warum die Feierlichkeiten zum großen Bonifatiusfest damals mit einem Jahr Verspätung stattfanden, bleibt unklar, denn das Todesjahr des „Apostels der Deutschen“ ist, darüber sind die Historiker sich einig, 754. Warum auch immer: Im neuen Jahrtausend wird der Gedenktag jedenfalls zur rechten Zeit begangenen: 2004 wird im Zeichen dieses Festes stehen.

Ein Beitrag aus der Fuldaer Zeitung
vom 26. August 2003

 

 

Schreckensmomente: Als der Dom in Flammen stand

 No well ich Eich nur korz verzehl,
Be mersch dä Summer in Foll gefehl.
Dos war do en Grom mit dem Bonifatiusfäst,
Des mersch no au kein Roh me lässt (loß).
Dahei hatte mer erscht en tüchtige Kaffee getronke
On do de goldene Medalle angehonke.
Noch fuhrn mer noch Foll mit de Iseboh,
Minnerlattig denk ich do noch dro.
Am Bahnhof war dersch aber so voll,
Dass uns arme Bauerslit jeder Städter scholl.
Dessetwegen war ich au allei gewallt
On mocht wo gleich beim erschte Kelle halt.
Där hatt äwer so kümmele Schtiewel o,
Do dat ich, der hl. Bonifatius war äwer e strammer Moh.
De annere lefer äwer all vorbei,
Se morkt ich, es mekt an anner gesei.
On hort, daß där nur Friedrich hieß
On de Freme he ave nur begriß.
So macht ich mich awer trabes nach dem Dom,
Doß ich noch mit de erschte hikom.
Die Stroß dohi war der be en Wald
Mit grene on bontige Borde bestalt.
Im Dom, do war der en wahrliche Stad,
Rote Virhäng mit glotzgale Borde benaht.
On Lichter, on Blume, on Kärze, on Schtreiß,
Doß ich dersch gar net me all weiß.
On gesonge honse, doß mersch net verschton,
Es broll sich alles einer den annere ohn.
Beim Amt, do holfe wohl fufzig Herrn,
De dächte, dem Ewerschte wirsch go schwer wohl wern,
Drem spronge se alles annem rem
On raggte, on zoggte, där hatts wahrlich schlemm.
Mit siedene Mäntel wannere au dabei
On wisse, on growe, von jeder Sort drei.
Die vordere hotte sich annerscht verbotzt
On beim Bischof off der Schtohl gesotzt.
Nach dem Amt hann ich mich nur geknurt
On mit Meh durch die himmelfille Mensche gebuhrt.
Doß war der e Gedruck on en Durchenanner
Bei beim Tormbau zo Babel kant keines es anner.
Des Mettoks sollt no der Festzug sei,
Do warn ich der naterlich au debei.
Ich hott mich do nob am Growe gemoicht
On well der Barmherzige (Mutterhaus) ihr Huis betraicht.
De hatte äwer alles so schea verbotzt
On de hl. Bonifatius off de Blatz gesotzt.
De Musik hoitt ich sehr von fern,
Do bleb ich be gebannt am Flecke sten.
Do war der e Getrommel on e Gepiff,
Ich hort, doß ein: „Gat Achtung!“ riff.
Vorneweck, do rotte se off Gill,
ze Foß kome äwer noch himmelfill.
On all mit ihrer schenne Foh,
De troke drei Källe immer vorn dro.
Off aimo war dersch, als war ich im Himmel,
Do kom der so e heilig Gewimmel.
Ich doicht gar nett, daß so ville Bischof gäb
Mit ihre siedene Mäntel on goldene Stäb.
Off dem hoite Pfloster hon se der äwer marschiert,
Drom wordese immer von zwee geführt.
Dem hl. Bonifatius se Kop war a dabei
On noch zwee annere, es wannere drei.
De troke so allemo offener Ben (Tragbahre),
Luter gritzgrowe Herrn.
Des Abends wajn ich ewenk bei minner Bos
On be ich do bai er Schol Kaffee soß,
War der off eimo e Gedöd on e Geliet,
Do frägt ich gleich, boß doß bediet.
Se mache e Feierwärk am Dom
On lauter so Schporanze-Grom.
Doß sollt na e k

Ein Beitrag aus der Fuldaer Zeitung
vom 26. August 2003